Editionsrichtlinien
Diese Seite legt offen, wie der Text dieser Edition entsteht und geprüft wird: Quelle, Verfahren, gemessene Genauigkeit und ihre bekannten Grenzen. Wo Zahlen genannt werden, steht dabei, wie sie zustande kamen.
1. Quelle
Grundlage ist der Text der Gesammelten Werke (GW), der maßgeblichen historisch-kritischen Ausgabe Hegels, herausgegeben seit 1968 von der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste in Verbindung mit dem Felix Meiner Verlag. Erfasst wird ausschließlich Hegels eigener Text in seiner ursprünglichen Schreibung — nicht der Apparat der Herausgeber (siehe Urheberrecht zur Begründung).
2. Was übernommen wird — und was nicht
Erhalten bleiben:
- Originalrechtschreibung (z. B. „Seyn“, „Theil“, „daß“)
- Hervorhebungen: Sperrsatz, so wie im Druck gesetzt
- Absatz- und Gliederungsstruktur des Originals
- Zeilengenaue Entsprechung zu den gedruckten GW-Seiten
Nicht enthalten:
- Der kritische Apparat der Herausgeber (Lesarten, Varianten, Anmerkungen)
- Editorische Einleitungen und Vorbemerkungen
- Faksimiles der Druckseiten
Hegels eigene Notizen und ihr Ort
Hegel hat seinen Handschriften Notizen beigeschrieben — an den Blattrand, zwischen die Zeilen, an den Kopf des Blattes, einmal auf ein eingelegtes Blatt. Sie sind sein Text und darum hier enthalten; sie stehen am Fuß der Seite, auf der sie aufgerufen werden.
Wo eine Notiz stand, sagt im Druck eine kursive Formel der Herausgeber. Diese Formel ist deren Arbeit und wird nicht übernommen — die Tatsache dahinter ist frei, ihre Formulierung nicht. Statt dessen beginnt jede Notiz mit einer Angabe in unseren eigenen Worten, in spitzen Klammern:
- ⟨am Blattrand⟩
- ⟨daneben auf dem Blatt⟩
- ⟨auf einem eingelegten Blatt⟩
- ⟨zwischen den Zeilen⟩
- ⟨über der Zeile⟩
- ⟨unter der Zeile⟩
- ⟨am Kopf des Blattes⟩
Die spitzen Klammern bedeuten durchweg: das haben wir hinzugesetzt, es steht so nicht im Text.
Was ⟨am Kopf des Blattes⟩ trägt, ist meist keine Bemerkung zur Sache, sondern Hegels eigene Zählung seiner Bogen: ein einzelner Buchstabe mit Klammer, d), h), m). Er steht hier, weil er von Hegels Hand ist.
Feinere Unterscheidungen des Drucks führen diese Zeichen nur teilweise mit. Das ist zum Teil ein bewusster Verlust — er hält die Angabe knapp und vermeidet es, die Lesart der Herausgeber nachzuerzählen. Zum Teil war es bis August 2026 eine Lücke: ⟨daneben auf dem Blatt⟩ fehlte in dieser Liste, und die Erfassung wich auf ⟨am Blattrand⟩ aus. An drei am Seitenbild geprüften Stellen in GW 8 ist das berichtigt. Ob dieselbe Verwechslung an weiteren Stellen steht, ist nicht ausgezählt: sie ließe sich nur durch erneutes Lesen der Seitenbilder feststellen.
3. Erfassungsverfahren
Der Text wird seitenweise direkt aus dem Scan der Druckseite erfasst: ein KI-Modell transkribiert das Seitenbild, geführt von festen Regeln für Schreibung, Hervorhebungen und Gliederung — kein OCR-Zwischenschritt, der nachträglich korrigiert wird, sondern eine Transkription direkt vom Bild. Erfasst wird ausschließlich Hegels Primärtext; der urheberrechtlich geschützte Apparat der Herausgeber ist nie Teil der Ausgabe. Die Zuordnung von Druckzeile zu Transkription verankert sich an den gedruckten Randziffern des Originals, nicht an Zeilenabständen — das hält auch dann, wenn Kolumnentitel, Apparat oder Absatzabstände die Seite optisch stören.
Für Sperrsatz gilt eine feste Arbeitsregel: Erfahrungsgemäß wird Sperrsatz beim Erfassen eher unterschätzt als überschätzt. Bleibt nach Prüfung ein Zweifelsfall bestehen, wird keine Auszeichnung gesetzt — eine fälschlich gesetzte Hervorhebung behauptet eine Betonung, die im Original nicht steht, eine übersehene schweigt nur; für eine Edition wiegen beide Fehlerarten unterschiedlich schwer (Näheres dazu in Abschnitt 5).
4. Prüfverfahren
Zwei unabhängige Verfahren kommen zum Einsatz:
Doppelerfassung. Eine Stichprobe von Seiten wird ein zweites Mal, unabhängig und ohne Kenntnis der ersten Fassung, transkribiert. Jede Abweichung zwischen beiden Lesungen wird am vergrößerten Druckbild entschieden. Dieses Verfahren findet zuverlässig, worin sich beide Lesungen uneinig sind — nicht aber Fehler, die beide Lesungen übereinstimmend machen.
Geometrische Sperrsatz-Messung. Ein Skript vermisst den Buchstabenabstand jedes ausgezeichneten Wortes im Seitenbild und meldet, wo die Transkription von der Messung abweicht. Bei GW 21 war dieser Messschritt von Anfang an verbindlicher Teil der Erfassung selbst — jede Seite wurde beim Erfassen sofort gegengemessen; bei GW 12 kam er erst nachträglich als eigener Prüflauf über den bereits fertigen Bestand hinzu. Gemeldete Stellen werden immer am vergrößerten Druckbild entschieden, nie durch die Messung allein.
5. Gemessene Genauigkeit
Wortgenauigkeit (unabhängige Zweiterfassung, je rund 7.000 Wörter Stichprobe): GW 12 99,982 %, GW 21 99,986 % — je ein Wortfehler in der Stichprobe. Bei so kleinen Zählern trägt die dritte Nachkommastelle keine Aussage: Ein Ereignis in 6.941 Beobachtungen ergibt nach der Clopper-Pearson-Methode ein 95-%-Vertrauensintervall für die Fehlerrate von etwa 0,0004 % bis 0,08 % — die Wortgenauigkeit liegt also irgendwo zwischen 99,92 % und 99,9996 %.
Einordnung nach anerkannten Standards. Die DFG-Praxisregeln „Digitalisierung“ setzen für „praktisch fehlerfreien“ Text 99,97 % Zeichengenauigkeit an (nicht Wortgenauigkeit — Layoutfehler zählen dabei ausdrücklich nicht mit), mit einer Untergrenze von 99,5 % für manuelle Erfassung und 95 % für OCR-Verträge. Das Text Creation Partnership (EEBO/ECCO-TCP) setzt vertraglich 99,995 % Zeichengenauigkeit an; das Deutsche Textarchiv maß an rund 9,9 Millionen Zeichen tatsächlich 99,9909 %. Rechnet man die hier gemessene Wortgenauigkeit mit einem in der Literatur für historische Drucke ermittelten Umrechnungsfaktor (Wort- zu Zeichenfehlerrate ≈ 4,4 : 1, nach einer Studie zu „Making of America“) grob auf Zeichengenauigkeit um, ergibt sich für beide Bände ein Wert von etwa 99,996–99,997 % — über dem TCP-Standard und rund viermal genauer als der gemessene DTA-Wert. Diese Umrechnung ist eine Näherung aus einer anderen Textgattung, keine eigene Messung; verlässlicher bleibt die direkt gemessene Wortgenauigkeit oben.
Sperrsatz-Genauigkeit. Eine Vollmessung an rund 8.250 Auszeichnungen in GW 12 ergab etwa 1 % fälschlich gesetzte Hervorhebungen (92 Fälle); eine entsprechende Messung an den bislang geprüften rund 5.400 der etwa 6.950 Auszeichnungen in GW 21 (rund drei Viertel bis vier Fünftel, das Verfahren erreicht nicht jedes Wort) ergab etwa 0,04 % (2 Fälle). Alle bestätigten Fälle wurden entfernt. Für Auszeichnungsgenauigkeit gibt es keinen externen Vergleichswert: Kein hier genanntes Projekt veröffentlicht eine solche Zahl. Die DFG-Praxisregeln nennen Schriftartwechsel wie Sperrsatz nur als ein mögliches Merkmal der TEI-Strukturauszeichnung (Abschnitt 3.4.3) — ohne eigene Genauigkeitsschwelle; ihre einzige Zahl (99,97 %) gilt ausdrücklich nur der Zeichenerkennung, und ihr eigenes Beispiel für einen ausgeschlossenen „Layoutfehler“ (eine inhaltlich richtig erkannte Marginalie an falscher Stelle) betrifft Position, nicht Auszeichnung. Die beiden Sperrsatz-Werte lassen sich darum nur an sich selbst über die Zeit messen, nicht an einem Standard.
6. Bekannte Grenzen
Die geometrische Sperrsatz-Messung hat dokumentierte blinde Flecken:
- Wörter unter vier Buchstaben sind geometrisch nicht sicher messbar
- Anhängende Satzzeichen verfälschen das Maß
- Abkürzungen wie „d. h.“ registrieren fälschlich als gesperrt
- Stehen mehrere gesperrte Wörter unmittelbar hintereinander, wählt das Verfahren mitunter eine Binnenlücke statt der echten Wortgrenze — in einer Nachprüfung an GW 21 lag die Fehlalarmquote solcher Kettenwörter bei 7,2 % gegenüber 2,9 % bei einzeln stehenden gesperrten Wörtern
Die Doppelerfassung hat eine andere Grenze: Zwei maschinelle Lesungen teilen sich mitunter dieselbe systematische Schwäche und finden dann denselben Fehler nicht. Zahlen aus Doppelerfassungen sind darum Obergrenzen der Güte, keine neutralen Schätzer. Zufallsstichproben ziehen zudem überwiegend das, woraus ein Band überwiegend besteht — laufende Prosa; seltene Seitentypen wie Verzeichnisse oder Tabellen sind in jeder Stichprobe unterbesetzt.
Schreibungsausgleich in der Suche
Der Text bleibt unangetastet: Seyn, daß, Verhältniß, Proceß stehen so, wie sie gedruckt sind. Ausgeglichen wird allein der Suchschlüssel, damit eine heutige Eingabe eine Schreibung von 1812 findet. Zwei Arten:
- Regelhaft — ey→ei, ß→ss, th→t, ct→kt, c→k beziehungsweise c→z. Damit finden sich Verhältnis und Verhältniß, Prozess und Proceß, Prinzip und Princip gegenseitig.
- Unregelmäßig — eine kurze Liste für das, was keine Zeichenregel erreicht: nämlich/nemlich, jetzt/itzt, gibt/giebt, andere/andre.
Der Ausgleich führt 163 Wortgruppen zusammen, die vorher getrennt lagen. Zwei davon sind falsch: das französische ciel erscheint unter Ziel, comme unter komme — zusammen vier Vorkommen. Das ist der Preis dafür, dass Verhältniß mit seinen 1 336 Stellen auffindbar wird.
7. Zitierweise
Für wissenschaftliche Arbeiten empfiehlt sich das Zitat nach der gedruckten GW-Ausgabe, auf die die Seitenangaben dieser Edition verweisen:
G. W. F. Hegel: Gesammelte Werke, hrsg. von der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste, Felix Meiner Verlag, Hamburg 1968 ff.
Die GW-Bandnummer und Seitenzahl sind der Sigle dieser Edition zu entnehmen (Beispiel: GW 12, S. 36 = Band 12, Seite 36 der Druckausgabe).
8. Änderungen an dieser Edition
Korrekturen, neue Bände und Verfahrensänderungen werden fortlaufend im Blog dokumentiert, mit Versionsnummer und Datum.